Die engagiertesten Retter und Wertschätzer

01.06.2021 / 5minutes


Rettung ist kein One Hit Wonder

Rettung ist kein One Hit Wonder. Rettung ist immer eine kleine Revolution. Ein zweiter Geburtstag, ein neues Leben, eine neu erzählte Geschichte. Und: Lebensmittel-Retten geht zusammen viel besser als alleine. Deshalb möchten wir euch hier regelmäßig inspirierende Aktivist*innen und Unternehmen vorstellen, die sich gegen Verschwendung engagieren und dafür, dass auch abseits der klassischen Produktions- und Lieferstrukturen Lebensmittel dort platziert werden, wo sie hingehören: Im Rampenlicht.

SirPlus – Der Supermarkt für gerettete Lebensmittel

Manchmal ist alles schon da, man muss nur hinsehen. Das dachte sich auch Raphael Fellmer, Gründer von SirPlus. SirPlus rettet überschüssige oder (fast) abgelaufene Lebensmittel vor dem Wegwerfen und verkauft sie im Online-Shop, in 4 Berliner Rettermärkten und per Abo-Box. SirPlus kooperiert dafür mit Ketten wie Bio Company oder Metro.

Gemeinsam mit hunderttausenden Mit-Retter*innen hat Raphael Fellmer eine Vision: Die Wertschätzung für Lebensmittel zu steigern und Menschen dazu zu ermutigen, auf ihre Sinne zu vertrauen. Allein in Deutschland landet die Hälfte aller Lebensmittel, laut WWF jährlich ca. 18 Millionen Tonnen oder pro Minute eine LKW-Ladung, in der Tonne. Und das nur aufgrund von Überproduktion, kleinen Schönheitsfehlern oder weil sie kurz vor oder nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist jedoch, wie der Name schon sagt, eben kein Verfallsdatum, sondern garantiert lediglich, dass Lebensmittel bis zum angegebenen Datum spezifische Eigenschaften wie Geruch, Geschmack, Farbe oder Konsistenz behalten. Viele Lebensmittel sind auch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch monatelang haltbar – Konserven oder auch verpackte Vorratsprodukte wie Reis, Nudeln, Mehl, Nüsse, Zucker, Kakao, Honig und Marmelade oder Tomatensauce sogar viele Jahre lang.

Raphael Fellmer ist Idealist mit Realitätsanspruch: Vor der Gründung von SirPlus war er Teil der Container-Szene, machte eine Weltreise per Anhalter und lebte 5 Jahre lang komplett ohne Geld. Da dieser nomadische Lebensstil nach der Geburt seiner Kinder mit eigener Familie nicht dauerhaft lebbar war, beendete Raphael den Geldstreik und beschloss, Geld als Mittel zum Zweck zu nutzen und dafür, nachhaltig positive Veränderung zu bewirken. Weg von Pionierarbeit, hin zum Mainstream. Denn ihm geht es um nichts weniger als gesellschaftliche Transformation.

Etepetete – Große Liebe für krumme Dinger

Was ist eigentlich normal? Das Münchner Unternehmen Etepetete stellt Äußerlichen in Frage und rettet nicht normgewachsenes Obst und Gemüse – das sind übrigens 40% der gesamten Ernte! Krumme Gurken, knorrige Karotten oder kugelige Auberginen – Etepetete setzt auf die inneren Werte.

Den süßen Geschmack der ersten Pflaumen. Die Saftigkeit eines roten Apfels. Grapefruit-Vitaminpower und Antioxidantien in Beerenform. In klima- und plastikneutralen Gemüsekisten liefert Etepetete unperfektes Lieblingsobst und -gemüse in Bio-Qualität direkt vom Feld an die Tür.

Etepetete kooperiert mit regionalen und überregionalen Bio-Landwirt*innen und sorgt dafür, dass vom Handel verschmähtes Gemüse die Wertschätzung erfährt, die es verdient.


Be Bananas – Ein zweites Leben für Bananen

Hand hoch, wer spätestens im ersten Lockdown auch Bananenbrot gebacken hat! Das Unternehmen Be Bananans verknüpft Nachhaltigkeit mit Zeitgeist und macht aus geretteten Bananen leckeres und gesundes handgemachtes Bananenbrot.

Bananen sind deutschlandweit die Nr. 1 unter den weggeworfenen Früchten. Obwohl sie eigentlich überhaupt erst als reif gelten, wenn sie braun gesprenkelt sind, lässt der Handel ausnahmslos grüne und gelbe Bananen zu. Alle anderen werden direkt aussortiert. Hier kommt Be Bananas ins Spiel.

Zusammen mit der Partnerbäckerei backt das Unternehmen „on demand“ nur auf Nachfrage, um in der Wertschöpfungskette weiterer Lebensmittelverschwendung vorzubeugen. Alle Inhaltsstoffe sind natürlich und vegan und die Sorten lassen keine Wünsche offen. Apfel-Zimt, Birne-Walnuss, Kirsch-Mohn oder Weiße Schokolade-Macadamia – you name it.

Aktuell beliefert Be Bananas 150 Partner-Restaurants und 10 Universitäts-Kantinen


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